FELICITAS ROHDEN
 
 
 
 
 

 

ANMERKUNGEN ZU DEN KÜNSTLERISCHEN ARBEITEN
VON FELICITAS ROHDEN

by Christina Irrgang
(in german)

"Je suis la résistance" – Licht fällt auf die Spiegelflächen eines geometrischen Objekts, das nahezu frei schwebend in einem Wald zu hängen scheint. Die Projektion des Waldbodens, der Gräser, Blätter und der von Licht durchzogenen Baumkronen legt sich wie ein transluzider Film über die glänzend reflektierenden Flächen des Objekts von Felicitas Rohden. Alles Bildhafte erscheint hier wie eine Membran, die sich gegenstandslos an den dreidimensionalen Kanten des Objekts bricht und zugleich auf dessen Körper entfaltet. Das Bildhafte wird zur ephemeren Textur, zur Illusion, und bleibt doch auf der Oberfläche des sich bewegenden Körpers im Raumgefüge gebunden. Die ungreifbaren Bilder haben ihren Ort, auch wenn er seine Sichtbarkeit unter dem schimmernden Bildfeld immer wieder entzieht.

Der Wechsel von (Bild-)Fläche zu Raum wie auch das Verdichten des Räumlichen im Bildhaften ist grundlegend in den Installationen, Skulpturen und Bildern von Felicitas Rohden (*1984). Die Künstlerin macht den Transfer interdimensionaler, bildhafter Strukturen zum Gegenstand. Astronomie und Physik bilden einen thematischen Korpus um Rohdens künstlerische Arbeiten, Sternbilder sind darin ein wiederkehrendes Motiv, das sie zwischen grafischer Darstellung und räumlicher Dimension untersucht.

Die Notationen von Planeten, Sternen und ihren Konstellationen ist so auch Grundlage ihrer kleinformatigen Bildblätter, von denen ausgehend die Künstlerin abstrahierte Grafiken aus geschichtetem Latex oder Lack auf Latexfolie herausbildet. Fast scherenschnittartig erheben sie sich als Abstraktion einer astronomischen Kartografie. In ihren Installationen arbeitet Felicitas Rohden mit Prismen und Projektoren, wie etwa bei "Slivers", bei der fragmenthaft Sternenbilder aus schwarzen geometrischen Körpern in einem abgedunkelten Raum erstrahlen. Entlang der silbern schimmernden Oberfläche der Objekt-Serie "Deflection" scheinen wiederum situativ Strukturen auf, die nur unter bestimmtem Lichteinfall unter der reflektierenden Spiegelfolie als fotografische Abbildungen sichtbar sind. Das Spiel zwischen analytischer Aufzeichnung und dem Ungreifbaren, zwischen Repräsentation und Imagination ist dabei ein Gedanke, den Rohden in ihren Arbeiten verfolgt.

Für ihre Präsentation im KIT hat Felicitas Rohden eine Skulptur angefertigt, die sich als räumlich konzipiertes Objekt mit dem Zwischenraum zwischen den Sternen, ihrer Körperlichkeit und ihrer Ausdehnung im Raum befasst. Die begehbare Skulptur entwickelt sich aus der zweidimensionalen Darstellung des Sternbildes Delphin, von dessen Koordinaten ausgehend (hier als vertikale Stäbe ausgeformt) die Künstlerin räumliche Strukturen entfaltet hat, die sich als schlaufenartige Kreise um die stellaren Notationen legen. Rohdens abstrahierte Kreissegmente skizzieren wiederum eine Vorstellung von Raum, der als dunkle Materie die einzelnen Sterne umhüllt, jedoch für unsere unmittelbare Wahrnehmung stets unsichtbar bleibt.